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Bild: unsplash.com | Christophe Hautier

Kann Träumen helfen? Die Arbeit mit dem Unterbewusstsein

Klassisches Coaching arbeitet mit bewussten Inhalten

Im Coaching ordnen, strukturieren und ent-knoten wir, was in den Gedanken des Coachee oft wie ein Knäuel zu sein scheint und ihm manchmal echte Kopfschmerzen bereitet. Wir nutzen häufig Modelle, mit deren Hilfe wir Kommunikationsprozesse erklären oder stellen die Ausgangssituation mit Männchen auf dem Tisch auf.

Ein guter Coach entschleunigt und fragt einfühlsam nach den Hintergründen, er stellt geschickt das eben Gesagte in Frage und regt zur vermehrten Selbstreflexion an. So ergibt sich eine Erweiterung des aktuellen Bewusstseins, die erhellend wirkt und dem Coachee meist eine sofortige Entlastung bringt.

Doch egal, welche Methoden wir einsetzen, eines ist bei allen gleich: sie können nur damit arbeiten, was dem Coachee bewusst zugänglich ist.

Zwar wissen wir (noch) nicht genau, wie viele der im Gehirn ankommenden Reize uns Menschen bewusst werden, klar ist nur soviel: der Prozentsatz ist ziemlich gering. Dennoch ist unsere Unterbewusstsein reich gefüllt mit persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen. Es begleitet uns von Anfang an. Vielleicht sogar gibt es ein darüberhinausgehendes, kollektives Unterbewusstsein, in dem die Erfahrungen unserer Familienmitglieder, aller unserer Vorfahren oder gar der gesamten Menschheit abgespeichert sind (davon war C.G. Jung überzeugt)?

Und wir alle kennen einen Ort, an wir mit einem Teil unseres Unterbewusstseins in Kontakt kommen: unsere Träume.

Träume finden im erweiterten Bewusstseins-Raum statt

Unser Unterbewusstsein verarbeitet, was es aufgenommen hat und was relevant für uns ist. Es wählt entweder den Körper oder den Traum, um mit dem Bewusstsein zu kommunizieren und auf sich aufmerksam zu machen. Jeden Tag träumen wir in tiefen Schichten, die uns nicht erreichen. Aber manchmal erinnern wir uns doch an einen Traum. Und manche Träume wiederholen sich sogar.

Träume sind voller Symbole und kleiner „verrückter“ Schnipsel, die enträtselt werden wollen. Die normalen Gesetze von Raum und Zeit gelten im Traum nicht, sie finden in einem anderen, erweiterten Bewusstseinsraum statt. Man kann im Traum in der Zukunft und gleichzeitig in der Vergangenheit sein, man kann sterben und doch weiterleben, man kann die Kraft von Superman haben und doch nur so groß wie eine Ameise sein. Dies und vieles mehr kann ein Traumbild vereinen, ohne sich daran zu stören – die eigentliche Botschaft liegt in der Bedeutung der Symbole und deren Zusammenspiel.

Das Unterbewusstsein im Coaching nutzen

Die gezielte Arbeit mit dem Unterbewussten ist eine große Bereicherung für das klassische Coaching.

Wenn ein Coachee in einer für ihn wichtigen Frage nicht weiterkommt, hat er oft den Eindruck, an eine unsichtbare, innere Mauer zu stoßen oder durch eine innere Hürde gehindert zu werden.

Manchmal wird der innere Druck auch körperlich deutlich: Die starken Verspannungen im Nacken, der seltsame Hautausschlag, gegen den keine Medizin recht hilft oder das Herzrasen, das immer dann kommt, wenn eine wichtige Präsentation ansteht, obwohl man als Experte für das Thema gilt. Alle diese „Körperzeichen“ können als Ausdruck einer Seele gesehen werden, die belastet ist und die auf ihre Weise nach Aufmerksamkeit ruft.

Viele Coachees drücken es so aus: „Es gibt, objektiv betrachtet, wenig Gründe dafür und doch ist es da. Also muss es Ursachen geben, die nur aus meinem Inneren stammen können.“

Was liegt da näher, als auch im Inneren nach der Lösung zu suchen? Was spricht dagegen, die Seele direkt zu fragen, was es braucht, um die Nackenschmerzen, den Hautausschlag, das Herzrasen oder die innere Hürde verschwinden zu lassen?

„Ja, geht denn das?“ fragen Coachees erstaunt, wenn man diesen Zusammenhang erklärt und ihnen den Vorschlag macht, die eigene innere Weisheit zu einem Lösungsweg zu befragen.

Ja, es geht und ca. 90 % der Menschen bekommen die Antwort in einem Traum, wenn sie ihr Inneres danach fragen. Das klingt ungewöhnlich, vor allem die Tatsache, dass man Träume induzieren, also auslösen kann.

In 3 Schritten zu tiefgründigen Antworten

Die Einbettung des Traumes in das Coaching geschieht in drei Schritten:

  1. Die Bewusstseinsarbeit
  2. Die Trauminduktion mit anschließendem Traum
  3. Das Verstehen des Traumes

Die Bewusstseinsarbeit

Zuerst klärt man, wie im klassischen Coaching auch, was den Coachee im Inneren hindert oder schmerzt. Woher mag die Hürde kommen? Wann fingen die somatischen Symptome an? Oft wird man in der Biographie fündig, in Situationen, die prägend waren und von denen die Seele sich bis heute nicht erholen konnte.

Es ist manchmal etwas Detektivarbeit nötig, weil nicht jede prägende Situation gleichermaßen bewusst ist.

Der Verlust eines geliebten Menschen mag einem rasch einfallen, aber von einer verletzenden Begebenheit mit einem Lehrer oder einem Freund aus Jugendjahren glaubt man eher, sie überwunden zu haben. Was aber nicht immer der Fall ist. Also forscht man im ersten Schritt vor allem nach den Quellen und Ursachen der aktuellen Belastung.

Am Ende wird oft klar, dass die bisherigen Versuche, das Dilemma zu lösen, nicht ausreichen, denn Kopfschmerzen, Hautauschlag oder Herzrasen sind immer noch da und der Coachee fühlt sich mit seinem Latein am Ende. Jetzt erfolgt die Einladung, die innere Weisheit zu einer möglichen Lösung zu befragen.

Die Trauminduktion mit folgendem Traum

Der Coachee bekommt in etwa folgende Anregung zur Trauminduktion:

>> Bevor Sie heute Abend ins Bett gehen, sollten Sie folgenden Satz vier, fünf mal halblaut vor sich hinsprechen: „Ich bitte um einen Traum, der mir zeigt, wie ich mein Thema (…XY…) lösen und meine Hürde überwinden kann. Und Morgen früh möchte ich mich an jedes Detail im Traum erinnern.“

Legen Sie sich ein Blatt und einen leichtgängigen Stift bereit, so dass Sie sofort nach dem Aufwachen, also quasi noch auf der Bettkante, Ihren Traum aufschreiben können.

Es kann sein, dass Sie auch in der Nacht aufwachen, dann notieren Sie, an was Sie sich noch erinnern. Fragen Sie nicht nach Sinn, Verständlichkeit oder Korrektheit Ihres Aufschriebs. Schreiben Sie einfach. Das Verstehen und Auflösen der Rätsel ist dann die Aufgabe des nächsten Schritts. <<

Wir lassen möglichst wenig Zeit zwischen dem Traum und seiner Besprechung vergehen, maximal zwei oder drei Tage, damit sich der Träumende noch gut an die Empfindungen im Traum erinnert.

Das Verstehen des Traumes

Zuerst werden die einzelnen Traumelemente besprochen. Dabei wird nach Erfahrungen im Realleben des Cochees mit einem ähnlichen Element und dessen emotionaler Ladung gefragt.

Wenn beispielsweise im Traum ein Berg eine Rolle spielt, kann man sich sowohl positive Erinnerungen mit wunderbaren Bergtouren bei Sonnenschein und viel Spaß vorstellen oder aber auch eine durchlebte Tortour, weil man als Jugendlicher zum Bergwandern gezwungen wurde und dabei eine sehr gefährliche Situation nur knapp überstanden hat.

Bücher oder Listen im Internet zur Traumdeutung können diesen individuellen Zusammenhang nicht herstellen und sind auch deswegen nicht seriös. In Listen kann man zum Beispiel links das Traumelement (Berg) lesen und findet dazu rechts die Bedeutung (Freiheit, Erhabenheit oder Naturliebe) – aber diesen fixen Zusammenhang gibt es für den Individualfall nicht.

Die einzelnen Traumelemente werden im Traumcoaching also sorgfältig betrachtet und sie resonieren im Inneren nach, sie werden gedanklich hin und her gewendet und mal aus der einen, mal aus einer anderen Perspektive heraus betrachtet. Danach ergibt sich die Frage nach der Deutung des gesamten Traumes und damit beginnt die letzte und wichtigste Phase dieses besonderes Coachings.

Der Coach hat in dieser Phase die Rolle eines Perspektivengebers, denn in einer neuen Sichtweise liegt oft der Schlüssel zur Lösung des Rätsels. Zum Beispiel kann mit dem Auftauchen von Familienmitgliedern im Traum die tatsächliche Familie gemeint sein oder auch die Firma, die behauptet, dass alle Mitarbeiter wie eine große Familie seien. Der getötete Penner aus dem Traum kann ein Hinweis auf die Versagensangst des Coachee sein oder auch gesehen werden als ein negativer Anteil, der ab sofort im Leben des Coachees keine Macht mehr haben wird (weil tot).

Der Coach wird neue Perspektiven anregen und Deutungen anbieten, aber er entscheidet nicht, ob Deutung A oder Deutung B die richtige ist. Das sagt die innere Weisheit selbst. Der Coachees muss in der 3. Phase des Coachings aufmerksam nach innen hören und auf die eigene Intuition achten.

Die Seele regt sich spontan und zeigt sich, sobald sie sich richtig verstanden fühlt. Meist ist der Coachee überrascht („So habe ich das noch nicht gesehen“) und erleichtert gleichzeitig („Ja, wenn das so ist…“), manchmal tief berührt („nein… ach…“) und manchmal kommen ungeplant die Tränen. Diese spontanen Reaktionen sind jedoch der wesentliche Hinweis darauf, dass man den Kern der Botschaft gefunden hat. Es ist, als wolle die Seele sagen: „Endlich siehst Du mich und den Zusammenhang, der mich so lange belastet hat.“

Das Traumcoaching – eine intensive und wirksame Intervention

Jeder der drei Schritte im Traumcoaching dauert nur zwischen 45 und 90 Minuten, danach ist in der Regel der Knoten geplatzt und der Weg wieder frei. Das bedeutet natürlich keine „Wunderheilung“, doch oft gehen die Schmerzen unmittelbar spürbar zurück, die innere Spannung löst sich in den Wochen danach deutlich auf und das Herzrasen, behindert die Präsentation nicht mehr, bis es eines Tages einfach ausbleibt.

Die besondere Faszination des Traumcoachings besteht darin, dass der Coachee eine Botschaft aus seinem Innersten erhält und es sich nicht etwa um Hinweise eines Coachs oder einer anderen Instanz aus dem Umfeld handelt. Mit dieser Erkenntnis, die dem Coachee Entlastung und Klarheit bringt, ist er inniglich und unzertrennlich verbunden, sie wirkt auf einmalige Weise intensiv und lange nach.

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Die Autorin

Ursula Franke Psychologin Moderatorin Coach

Ursula Franke

ist Diplom-Psychologin, Geschäftsführerin und Mediatorin und unterstützt seit über 25 Jahren Kunden bei den Herausforderungen in der Personalentwicklung. Sie ergündet sorgfältig den Kern eines Menschen und weiß, was Begegnung, Vertrauen und Tiefe nachhaltig bewirken können. Ihre Erfahrungen gehen von kleinen Unternehmen bis zu höchsten Führungsebenen in Konzernen.