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Bild: unsplash.com | Raj Rana

Das Hamsterrad steht Still – Warum sind wir mit Entschleunigung überfordert?

Viele haben sich in der Quarantäne die Frage gestellt, ob Corona eine neue Ära einläuten wird. Raus aus dem corporate Denken und rein ins bedachte Leben. Viele konnten eine Entschleunigung in ihrem Alltag erleben, manche mehr als andere. Das langsamere Tempo stellte jedoch auch so manchen vor das Problem – was stelle ich jetzt mit meiner Zeit an? Alltagsstrukturen wurden durchbrochen und es dauerte eine Zeit, sich neue Routinen und Rituale anzueignen, die den Alltag normalisieren. Dieser Ausnahmezustand ist nun langsam aber sicher vorbei, auch wenn die Möglichkeit einer zweiten Welle noch über unseren Köpfen schwebt. So langsam kommen die Hamsterräder überall wieder ins Rollen. Dies ist für viele eine Erleichterung, denn sie plagte das Gefühl, lange im Leerlauf gelebt zu haben. Wieso jedoch bereitete die Entschleunigung uns überhaupt Schwierigkeiten?

Wieso blieb die erwartete Freude der Entschleunigung aus?

Alltagsroutinen werden radikal durchbrochen

Hartmut Rosa, Professor für Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena sagt, das Corona Virus sei der radikalste Entschleuniger der letzten 200 Jahre.[i] Unser Unwohlsein erklärt er mit dem Phänomen, dass sich unsere Welt auf einen Schlag enorm verkleinert hat. Sowohl zeitlich als auch räumlich. Zuvor waren wir „modernen Menschen“ gewöhnt, dass uns die Welt offensteht, nun sind Einreiseverbote und tägliche Einschränkungen an der Tagesordnung. Zudem hatten wir unsere Wochen durchgetaktet und mit Terminen und Verpflichtungen vollgestopft, die nun auf einmal wegfielen. Zudem machte man sich Gedanken über eine ungewisse Zukunft und lange geplante Unternehmen waren unmöglich geworden – also auch die Freude auf Zukünftiges blieb weg. Nach diesem temporären Down sprudeln wir jetzt nur vor Tatendrang.

Die digitale Kommunikation beeinflusst noch stärker unser Mindset

Soziale Medien wie Linkedin, Facebook oder Instagram sind Konkurrenzmedien. Sie sind Bewertungsorte, an denen jeder seine besten Leistungen präsentiert und die der anderen begutachten kann. Durch die gesteigerte Nutzung dieser Medien in der Quarantäne kreierten sie mehr Potential für Vergleichsverhalten und Minderwertigkeitskomplexe, die sich generell negativ auf unser Stimmungsbild auswirken können. Sie aktivieren Bereiche des task-positive network (TPN), einem Netzwerk in unserem Gehirn, das bei Aufgaben die Aufmerksamkeit erfordern, aktiviert wird. Es ist außerdem direkt mit unseren Stressreaktionen verbunden. Wenn der Vergleichsmodus aktiviert ist, fühlen sich sogar die besten Kandidaten schlecht. Auch wenn dies keine bahnbrechende neue Erkenntnis ist, sollte man diese Medien immer mit dem Bewusstsein konsumieren, dass diese geschönte Welt nicht der Realität entspricht oder am besten die Nutzung dieser Medien für sich zeitlich stark beschränken.

Rosa spricht außerdem an, was viele am eigenen Leib erfahren haben: Obwohl man sich vornimmt, mehr zu lesen, Klavier zu üben oder mehr Sport zu machen – haben Sie es letztendlich getan? Oder sind Sie mehr auf Linkedin, Facebook und Instagram unterwegs gewesen und haben noch 30 weitere Mails beantwortet? Und kann man daher wirklich von einer Entschleunigung unseres Alltags sprechen?

Wurden wir wirklich durch die Quarantäne entschleunigt?

Die anfängliche Euphorie über die freie Zeit ging schnell über in einen Zwang, irgendetwas zu tun. Wenn man nicht viel arbeiten musste, galt es den nächsten Stapel Bücher abzuarbeiten, eine neue Sprache zu lernen, Sport zu treiben oder etwas anderes zu tun, das zur individuellen Selbstoptimierung zählte. Dieser „Erfahrungshunger“, wie Rosa es nennt, ist heutzutage tief verankert in unserer Gesellschaft. FOMO (Fear of Missing out), also die Angst, etwas zu verpassen, geht um. Wir können nicht einfach nichts tun. Wir müssen schließlich weiterhin unsere persönliche Marke weiterentwickeln und in den sozialen Medien etwas vorzuweisen haben, wenn schon beruflich wenig los ist. Haben wir die Fähigkeit verloren innezuhalten und nichts zu tun, um herauszufinden, warum wir eigentlich tun, was wir tun? Wieso muss ich produktiv sein? Für wen?

Gehen Sie weg vom Gedanken „Ich muss doch jetzt…“. Versuchen Sie Ihre Erwartungen an sich selbst hin und wieder abzulegen und etwas nur aus Spaß zu machen.

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Quellen:

[i] https://www.tagesspiegel.de/kultur/entschleunigung-in-corona-zeiten-wir-muessen-raus-aus-dem-hamsterrad-der-produktivitaet/25719962.html

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Die Autorin

Katja Sies Werkstudentin Online Marketing

Katja Sies

ist eine International Business Absolventin und ist seit Oktober 2019 Teil des commma Teams. Als Werkstudentin im Online-Marketing entdeckte sie ihre Leidenschaft für das Schreiben von Blogposts. Psychologische Themen fand sie schon immer interessant und hat sich durch ihre Praktika und ihre Auslandserfahrungen darin bestätigt gefühlt.

Durch den Kontakt zum facettenreichen Alltagsgeschäft der Berater bei commma sammelt sie sowohl ihre Inspiration als auch den gewissen „commma Touch“ für ihre Blogposts.