Coaching – die leichte Form der Psychotherapie?

Wie funktioniert Coaching?

Coaching ist nicht weit entfernt von dem, was wir alle unter Freunden tun – Sich gegenseitig über Erlebnisse austauschen, Ratschläge einholen und Ratschläge geben. Es unterscheidet sich jedoch in der Methode, in der die Ratschläge vermittelt werden. Coach und Coachee machen zuerst eine Bestandsaufnahme der Ziele und dem Ist-Zustand. Außerdem reden sie über das bereits Erreichte und die Verbesserungsmöglichkeiten des Coachees. Der Coach hilft dabei verschiedene Perspektiven einzunehmen und gibt Feedback. Letztendlich liegt es jedoch an der Eigeninitiative des Coachees auszuprobieren, was ihm guttut, oder nicht. Ziel des Coachings ist nicht, dass der Coach dem Coachee einen Lösungsweg vorgibt, sondern stützt sich auf der Selbstergründung. Dies ist eine Form der Selbstreflexion, die vom Coach gestützt wird und auf das Ergebnis hinführt. Das Coaching hat dabei nicht unbedingt zum Ziel, die Umstände oder das Umfeld zu ändern, sondern dem Coachee neue Ansichten auf die Situation zu vermitteln und ihn zu sensibilisieren.

 

Was ist der Unterschied zu einer Therapie?

Eine Psychotherapie unterscheidet sich vom Coaching im Wesentlichen in der Dringlichkeit. Im Gegensatz zu einem Coachee, sind bei einem Patienten oft starke Emotionen oder auch psychische Störungen vorhanden. Beim Coaching geht es meist um eine konkrete Problemsituation, in der sich der Coachee verbessern oder ändern möchte. An dieser Stelle wird „ergebnisorientierte Selbstreflexion“ in den Vordergrund gestellt, aber die Emotionen bleiben stärker im Hintergrund. Dies ist dadurch möglich, dass Coachees in der Regel selbstbestimmter sind, als ein Patient in der Psychotherapie. Er kann schon durch kleinere Anstöße einen großen Mehrwert erfahren.

Der zweite Unterschied zur Psychotherapie ist, dass Coaches nicht notwendigerweise eine psychotherapeutische Ausbildung ablegen müssen. Das heißt für den Praxisfall: Sollte ein Coach feststellen oder vermuten, dass der Coachee Anzeichen einer psychischen Störung zeigt, muss er eine Therapie empfehlen.

Dies dient dazu den Patienten davor zu schützen, dass in seiner Gefühlswelt „herumgedoktert“ wird, ohne dass die notwendige Fachkenntnis und Kompetenz vorhanden ist. Nicht umsonst ist, um Psychotherapeut zu werden, ein Medizin- oder Psychologiestudium und eine mehrjährige Ausbildung erforderlich. Zudem müssen Therapeuten selbst einen Prozess der Selbstreflexion durchlaufen, um fähig zu sein mit den Emotionen des Patienten umzugehen.

Ist Coaching zu Recht so „in“?

Coaching boomt in allen Bereichen: vom Ernährungs- und Gesundheitscoaching bis über das Partner- und Anti-Stress Coaching. Selbstoptimierung ist nicht mehr nur eine Förderung für Manager und Führungskräfte, sondern wird von allen genutzt. Dies könnte vor allem daran liegen, dass wir in unserer heutigen Zeit den Anspruch haben uns in allen Lebensbereichen zu optimieren.

Einer der Kritikpunkte am Coaching ist jedoch, dass dort oft ein pseudowissenschaftliches Denken vermittelt wird, anstatt eines nachhaltigen Mehrwertes für den Kunden.

Das positive Feedback beim Coaching fundiert sich manchmal lediglich auf einem Placeboeffekt, der auf die dem Kunden zugewendete Aufmerksamkeit, zurückzuführen ist. Ob das Coaching dem Kunden nachhaltig geholfen hat, ist jedoch eine andere Frage.

Charismatische Coaches können zwar kurzfristig aufbauen, jedoch benötigen sie mehr als nur ihr eigenes Erfolgsrezept. Coaches brauchen eine Vielfalt von Techniken und Methoden und müssen fähig sein, diese auf den Einzelfall anzupassen. Denn es gibt keinen Masterplan zum Erfolg und nicht jede Methode funktioniert bei jedem.

Ein Beispiel dafür sind Methoden, wie der Myers-Briggs-Typenindikator, die regelmäßig im Business-Coaching angewendet werden. Sie haben sich empirisch noch nicht nachweislich als wirksam gezeigt, sind aber trotzdem in der Praxis gang und gäbe.

Die Schwierigkeit ist außerdem, dass es keine einheitlichen Standards für Coaches gibt, mit denen die Coaches zertifiziert werden können.

Woran soll ich mich als Kunde dann bei der Suche nach einem Coach orientieren?

Wie bei der Therapie auch, ist es wichtig, dass Coach und Coachee zusammenpassen. Der Coach muss auf die Persönlichkeit und Denkweise des Coachees eingehen und fähig sein, ihm neue Einblicke zu ermöglichen. Dies nennt man auch die Passung zwischen Coach und Coachee.

Der Coach sollte auf den Kunden eingehen und mit Flexibilität, die genannten Wünsche oder Ziele angehen. Er sollte aber auch klarmachen, wo die Grenzen des Coachings sind. Wachstumsorientierte Menschen können mit Motivationsreden mehr anfangen, als sicherheitsorientierte Menschen. Diese sind dahingegen eher durch strukturierte Planung ihrer Erfolgschancen zu motivieren und aufzubauen.

So viel man auch, im Vorfeld des Coachings absprechen kann, letztendlich wird meistens erst beim testen klar, wie gut man zusammenarbeiten kann.

Zudem spielt beim Aussuchen des Coaches die Dauer seiner Ausbildung eine große Rolle. Wer in nur ein paar Wochenendseminaren zum Coach ausgebildet wurde, ist weniger kompetent, als ein Coach, der eine lange, fundierte Ausbildung abgelegt hat.

Wenn Sie einen Eindruck von dem Ablauf und den verschiedenen Formen des Coachings bei commma bekommen möchten können Sie hier weitere Informationen finden, sowie sich einen Überblick über unsere Coaches verschaffen.

Für wen ist Coaching besonders geeignet?

Coaching ist bei konkreten Problemen mit vielen, kleineren Fragen am schnellsten effektiv. Jedoch kann der Coach dem Coachee bei komplexen Zielen oder Problemen andere Perspektiven und Ansätze vermitteln und helfen, das Ziel in kleinere Schritte herunterzubrechen. Denn am Ende ist das Coaching nicht immer an der Lösung der Probleme beteiligt, sondern hilft Klarheit über den eigentlichen Ist-Zustand und Hintergrund des Problems zu schaffen. Dies kann der Coachee (mit oder ohne den Coach) dann in weitere Handlungsschritte entwickeln oder mit neuen Denkprozessen an das Problem herangehen.

Quellen


Gehirn& Geist (12/2019); Interview „Auf die Reflexion kommt es an“ mit Eva Jonas und Siegfried Greif

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